
Morgens 6 Uhr: Die Junggiraffen entdecken uns und ziehen sich im Galopp weiter zurück in die Kalahari. Ein Schakal singt nicht weit entfernt seinen katzenähnlichen Gesang, frische Spuren von Black Hartebeests, Springböcken, Kudus, Elands und Stachelschweinen überziehen die Sandwege. Zwei junge Sans und Ernest, Guide auf der Sandune Guestfarm, starten mit mir den Bush-Man-Walk durch die Kalahari. Sie erklären jede Fährte und jede Pflanze, die in ihrer Kultur eine Rolle spielt. Wer entdeckt die frische Fährte einer Kobra? Ich erinnere mich an die Waldtage unserer Naturschule in Berlin und möchte noch so oft es geht hierher kommen können.
Im Osten Namibias beginnt diese faszinierende Savannen-Landschaft der Kalahri und zieht über das gesamte Botswana bis in das nördliche Südafrika. Hier lebten seit Jahrtausenden die San. Heute ist es nicht nur ein bedrohtes Nomaden-Volk – es kann seinen natürlichen Tradition inklusive dem freien jagen nicht mehr nachgehen, da das ehemalige freie Buschland inzwischen fast komplett privatisiert wurde. Beliebt war es ebenso, Nomadenvölker aus Naturschutzparks, wie z.B. Ethosha, zwangsumzusiedeln und ihnen damit ebenso ihre natürliche Lebensgrundlage zu nehmen. In verschiedenen kommunalen und privaten Projekten wird versucht, den San einen festen neuen Lebensraum zu geben. Doch es sind alles Notlösungen, die nicht verhindern, dass das letzte Nomadenvolk im südlichen Afrika ausstirbt.
Auf einer der Gästefarmen südlich von Gobabis, ca. 3 Autostunden von Windhoek entfernt, dürfen mehrere San-Familien leben. Die Kinder besuchen die staatlichen Schulen in Gobabis, wenn die Eltern die Schulgebühren zahlen können, und werden mehr und mehr in das westliche Leben hereinwachsen. Die Eltern verdienen sich das nötige Tauschmittel „Geld“, wenn sie Glück haben, wie hier auf der Sandune-Farm, durch die Präsentation ihres traditionellen Lebens für Touristen, fertigen Schmuck aus Straußeneiern an. Alkohol ist, wie bei vielen indigenen Völkern, eines der Hauptprobleme, das von außen hereingetragen wurde. Dank dem „weißen Mann“, der im 18. Jahrhundert bei Cape Cross landete und rasch die vielfältigen Bodenschätze im südwestlichen Afrika entdeckte. Die europäischen Farmer, erst holländischen, später deutschen Ursprungs, die sich im heutigen Namibia ansiedelten, verdrängten alle, die sich bis dahin frei das Land teilten: Nama, Damara, Herero und San.


Black Hartebeest in der Kalahari, eines der ungewöhnlichsten Tiere (oben) // San-Bushman und Ernest, Thanks and see you soon